Wieviel „Geschmäckle“ ergeben einen bitteren Nachgeschmack?

Die geplante Entwicklung eines neuen Gewerbegebiets in Diepholz sorgt für Irritation unter den Bürger*innen. Bäume wurden ohne Genehmigung gerodet, Biotope zugeschüttet und Überschwemmungsgebiete umgewidmet. Die Stadtverwaltung wird kritisiert, dass sie hauptsächlich von finanziellen Interessen geleitet wird, während eine ansässige Firma mit einem Rüstungsskandal in Verbindung steht. Die Freigabe von 39 Hektar für private Investoren erweckt Bedenken, da der Einfluss der Stadt in einem möglichen militärischen Umfeld eingeschränkt wäre.

Rund um die geplante Entwicklung eines neuen Gewerbegebiets häufen sich Vorgänge, die viele Diepholzer Bürger*innen irritieren. Einige Beispiele:

  1. Landwirtschaftliche Flächen wurden über einen lokalen Landwirt als Mittelsmann angekauft – und der sitzt im Stadtrat.
  2. Noch bevor ein Satzungsbeschluss gefasst wurde, sind Bäume und Sträucher gerodet worden – offenbar ohne die dafür erforderliche Genehmigung.
  3. Ein Kleingewässer-Biotop wurde zugeschüttet und planiert – Naturschutzrechtlich in Ordnung?
  4. Überschwemmungsgebiete sollen umgewidmet oder verlegt werden – orientiert sich die Natur an Wegweisern?
  5. Eine am Standort ansässige Firma erzielt hohe Gewinne, steht gleichzeitig aber (mutmaßlich!) in Verbindung mit einem laufenden Rüstungsskandal mit Schäden in hoher zweistelliger Millionenhöhe. Behörden ermitteln noch – die Stadt freut sich dennoch über die höheren Steuereinnahmen.

Für mich sind das mehr als genug Hinweise darauf, dass die Verwaltung hier dringend die Pausetaste drücken sollte.
Der Eindruck entsteht, dass Verwaltung und Stadtrat in Diepholz sich zu stark vom Geld leiten lassen. Als könne man mit ausreichend Kapital einfach durchsetzen, was man wolle. Viele Diepholzer Bürger*innen empfinden das als Zumutung – der bittere Nachgeschmack entsteht.

Besonders irreführend ist das Narrativ eines „Familienunternehmens, das lediglich erweitern möchte“. Der Projektträger heißt Gewerbepark Süd GbR. Wer hier nur an eine harmlose Betriebserweiterung glaubt, glaubt vermutlich auch daran, dass Panzerrohre aus der Schweiz nur 220.000 Euro wert sind.
Die Stadt verfügt über ausreichend gewerbliche Flächen, die für Unternehmensentwicklungen infrage kommen – auch solche, die nicht direkt an Wohngebiete grenzen und trotzdem nah genug am bestehenden Standort liegen. Warum gibt man dennoch freiwillig das Heft des Handelns aus der Hand? Warum überlässt man den gesamten Gestaltungsraum privaten Akteuren?
Geplant ist ein privates Gewerbegebiet von 39 Hektar. Welche und wieviele Firmen sich dort ansiedeln, liegt dann vollständig in privater Hand. Eine Ansiedlung schwerer militärischer oder militärnaher Industrie wäre nicht unwahrscheinlich – und die Stadt hätte kaum noch Einfluss darauf. „Privat“ und „hinter hohen Mauern“ lässt sich vieles ermöglichen.
Aber hauptsache die StEuErEiNnAhMeN, könnte man meinen.


Entdecke mehr von blog of me

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.