Mein Weg zum vernetzten Energiesystem
Manchmal merkt man erst im Rückblick, dass man ein Projekt nicht einfach umgesetzt, sondern ein ganzes System neu gedacht hat.
Mit der Installation meiner Wärmepumpe im November 2025 ist mein Haushalt endgültig gasfrei. Was 2021 mit einer Photovoltaikanlage begann, ist inzwischen zu einer vollständig vernetzten, intelligent gesteuerten Energieplattform geworden.
Und genau darum geht es hier: nicht nur um Hardware – sondern um Integration.
2021: Der Anfang mit Photovoltaik – und der Wunsch nach Transparenz
Im Januar 2021 wurde meine erste PV-Anlage mit 10 kWp inklusive 10 kW Speicher von SENEC installiert.
Technisch funktionierte das System von Anfang an zuverlässig. Was jedoch schnell deutlich wurde: Die mitgelieferte Visualisierung war für meinen Anspruch schlicht nicht ausreichend.
Die SENEC-Software liefert Basisinformationen – aber:
- nur eingeschränkte historische Auswertungen
- kaum flexible Diagramme
- wenig Detailtiefe bei Lastgängen
- keine echte Systemperspektive auf Autarkie und Energieflüsse
- keine Echtzeitdaten
Für jemanden, der verstehen möchte, wann, wie und warum Energie fließt, ist das zu wenig.
Deshalb habe ich praktisch zeitgleich mit der PV-Installation auch Solectrus aufgesetzt.
Nicht als Spielerei – sondern als notwendige Ergänzung.
Solectrus von Anfang an: Monitoring statt Bauchgefühl
Solectrus lief von Beginn an auf einem Raspberry Pi in einem Docker-Setup.
Durch einen einfach Konfigurator war die Installation und das Setup wirklich intuitiv und schnell erledigt.
Ziel war:
- Stromerzeugung sauber visualisieren
- Eigenverbrauch analysieren
- Autarkiequote nachvollziehbar darstellen
- Netzbezug und Einspeisung transparent machen
Für die SENEC-Anlage existiert ein direkter Adapter in Solectrus, sodass Erzeugungs- und Speicherdaten unmittelbar eingebunden werden konnten.
Erst durch diese Visualisierung wurde mir wirklich klar:
- wie stark der Eigenverbrauch schwankt
- wann der Speicher sinnvoll arbeitet
- wo Lastspitzen entstehen
- wie sich mein Autarkiegrad im Jahresverlauf entwickelt
Die PV-Anlage war damit nicht nur installiert – sie wurde messbar.
Voraussichtlich im März wird die Anlage auf 20 kWp erweitert. Ich hoffe auf gutes/wärmeres Wetter. Diese Entscheidung basiert inzwischen nicht mehr auf Gefühl oder grober Wirtschaftlichkeitsrechnung, sondern auf realen Last- und Erzeugungsdaten der letzten Jahre. Und natürlich auch auf der Entscheidung für eine Wärmepumpe.
2025: Abschied vom Gas
Mit der Installation der Bosch CS6800iAW samt Außeneinheit Bosch AW5OR-S wurde mein Haus vollständig elektrifiziert.
Die Wärmepumpe ist nun der größte Einzelverbraucher im Haus – und damit energetisch strategisch relevant.
Doch auch hier zeigte sich schnell:
Die Anlage bietet keine komfortable, offene Schnittstelle zur direkten Datenauswertung.
Für mich war klar: Eine Blackbox kommt nicht infrage.
EMS-ESP: Die Wärmepumpe wird transparent
Die Lösung war ein EMS-ESP Gateway (E32 v2 Ethernet/WiFi Kit) von BBQKees Electronics.
Nach Anschluss an den EMS-Bus und Einbindung ins Netzwerk stellt das Gateway die internen Wärmepumpendaten per MQTT bereit.
Erst dadurch konnte ich:
- Vorlauf-/Rücklauftemperaturen erfassen
- Verdichterleistung auswerten
- Laufzeiten analysieren
- Heizkurven nachvollziehen
Die Wärmepumpe wurde damit integraler Bestandteil meines Energiesystems – nicht nur ein Verbraucher.
Home Assistant: Das Energie-Betriebssystem
Alle Daten laufen in Home Assistant zusammen, installiert auf einem separaten Raspberry Pi.
Hier werden aggregiert:
- PV- und Speicherdaten
- Smartmeter-Werte
- Wärmepumpendaten via MQTT
- weitere Smart-Home-Informationen
Home Assistant übernimmt dabei mehrere Rollen:
- Datendrehscheibe
- Automatisierungs-Engine
- Steuerzentrale
Hier entstehen Logiken wie:
- Wärmepumpe bevorzugt bei PV-Überschuss betreiben
- Heizkörperventile dynamisch anpassen
- Verbrauchsspitzen glätten
- Komfort und Effizienz kombinieren
Netztransparenz per IR-Lesekopf
Für die vollständige Energiebilanz ist auch der Netzanschluss eingebunden.
Ein WiFi IR Lesekopf V3.2 von Christians-Shop liest die Daten direkt vom Smartmeter aus und überträgt sie ins Netzwerk.
Damit sehe ich in Echtzeit:
- aktuellen Netzbezug
- Einspeisung
- Momentanleistung
Autarkie wird so nicht geschätzt – sondern gemessen.
Solectrus heute: Mehr als nur PV-Monitoring
Was 2021 als bessere PV-Visualisierung begann, ist heute das zentrale Energie-Dashboard.
Solectrus greift:
- direkt auf SENEC-Daten zu
- sowie auf aggregierte Daten aus Home Assistant
Damit werden nun auch:
- Wärmepumpenverbrauch
- Haushaltslast
- Netzflüsse
- Speicherzustände
in einem konsistenten System dargestellt.
Das Dashboard zeigt nicht nur Zahlen – es zeigt Zusammenhänge.
Die Küche als Leitstand
Ein ausrangiertes Android-Tablet hängt fest am Küchenschrank.
Darauf laufen:
- Home Assistant
- Solectrus
Was früher ein gelegentlicher Blick auf eine Heizungsanzeige war, ist heute ein permanenter Blick auf Energieflüsse.
Und ja – das verändert Verhalten.
Vom Anlagenbetreiber zum Systemarchitekten
Rückblickend war die wichtigste Entscheidung nicht die Wärmepumpe.
Und auch nicht die Erweiterung der PV-Anlage.
Es war die Entscheidung, von Anfang an auf transparente, unabhängige Visualisierung zu setzen – weil die Hersteller-Software allein meinen Anspruch an Analyse und Systemverständnis nicht erfüllt hat.
Heute besteht mein Setup aus:
Energieebene
- 10 kWp Photovoltaik (bald 20)
- 10 kW Speicher
- elektrische Wärmeerzeugung
Datenebene
- EMS-ESP via MQTT
- Smartmeter via IR-Lesekopf
- Home Assistant als Integrationsplattform
- Solectrus als Analyse-Frontend
Gasfrei zu leben ist das sichtbare Ergebnis.
Die eigentliche Transformation ist die digitale Vernetzung dahinter.
Und genau dort liegt für mich der Unterschied zwischen „eine Anlage besitzen“ und „ein System betreiben“.
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