Wohin mit der Kippe?

In jedem Fall in den Restmüll, in keinem Fall in die Umwelt!

In den letzten beiden Jahrzehnten mehren sich Untersuchungen, welche Auswirkungen das achtlose Wegschnippen von Zigarettenstummeln in die Umwelt haben kann. Obwohl die Forschung diesbezüglich teilweise am Anfang steht und die Untersuchung von Ökosystemen komplex ist, geben viele Studien Hinweise darauf, dass erhebliche Risiken für einzelne Lebensräume bestehen.

Die Forschungsgruppe um Azam Mohammadi, Farkhondeh Bahrani und Gabriel Enrique De-la-Torre berichten 2025 zum Beispiel, dass Zigarettenfilter in der Regel aus über 15.000 Celluloseacetat-Fasern mit Weichmacherzusätzen bestehen. Deren Abbau kann bis zu 30 Jahre dauern.

Sie stellen in ihrer Untersuchung fest: Jede in Gewässer gelangte weggeworfene Kippe kann erhebliche Mengen an Mikroplastikfasern in die Umwelt abgeben und damit die Ökosysteme im Wasser beeinträchtigen. Ein schädigender Einfluss von Mikroplastik auf einige Tiere und Pflanzen wurde bereits nachgewiesen, soll allerdings an dieser Stelle nicht näher erläutert werden.

Im Filter einer gerauchten Zigarette befindet sich giftiges Nikotin.

Nikotin ist wasserlöslich. Ein einziger Zigarettenstummel kann der Studie von Roder Green, Putschew und Nehls (2014) folgend, eine Menge von 1000 l Wasser kontaminieren. Somit wird angesichts der anhaltenden Vermüllung mit Zigarettenkippen auf eine relevante Gefahr für die Qualität städtischer Gewässer und damit auch für das Trinkwasser geschlossen.

Zusätzlich wird in einer anderen Untersuchung gezeigt, dass nach Regenfällen die Nikotinmenge aufgrund ausgewaschener Zigarettenkippen in einigen Gewässern deutlich steigt. Hohe Konzentrationen von Nikotin können z.B. Daphnien (Wasserflöhe) töten (vgl. Venohr, Beusch, Goldhammer, et al. 2025).

Neben Nikotin enthalten Kippen viele weitere schädliche Substanzen. Die im Wasser gelösten Schadstoffgemische tragen dazu bei, dass das Wachstum giftiger Blaualgen (Cyanobakterien) gefördert wird. Das Chemikaliengemisch hemmt das Vorkommen von Chitridpilzen, welche Blaualgen als Wirtskörper nutzen und somit zum ökologischen Gleichgewicht eines Gewässers beitragen (vgl. Guttmann, Wolinska, Spahr, Martínez-Ruiz, 2024). Nimmt das Wachstum an Blaualgen zu stark zu, folgt ein Fischsterben. Auch das Baden wird darin zu einer Gesundheitsgefahr.

Nicht nur das Gleichgewicht von Chitridpilzen, sondern auch das von anderen Mikroorganismen im Wasser ist stark gefährdet, wenn zu viele Kippen ausgewaschen werden und ihren Lebensraum vergiften (vgl. Baran, Madej-Knysak, Sobczak, Adamek, 2020).

Nicht nur auf Wasser, und sich darin befindendes Leben, haben weggeworfene Kippen einen negativen Einfluss. So lassen zahlreiche Fotos im Internet vermuten, dass Tiere, welche Zigarettenstummel im Schnabel oder Maul tragen, diese mit Nahrung verwechseln. Doch allein das häufige Berühren von Kippen kann, wie die Studie von Suárez-Rodríguez, Montero-Montoya, Macías Garcia (2017) zeigt, gesundheitsschädlich für Tiere sein. Sie untersuchten Vögel, welche Zigarettenstummel als Nestmaterial nutzen. Während dieses Baumaterial den parasitären Befall dieser Nester verringert und sogar zunächst positive Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wachstum der Küken beobachtet werden, stellt diese Untersuchung zugleich eine genotoxische Wirkung besonders bei den Elterntieren fest, die vermehrten Kontakt mit dem toxischen Nestmaterial haben. Hierbei ist bis heute nicht geklärt, inwiefern sich diese genotoxische Wirkung auf die Gesundheit und dessen Genpool der betreffenden Elternvögel auswirkt (vgl. Gladalski, Norte, Bartos, Demesko, et. al., 2026).

Novotny, Hardin, Hovda et. al. (2011) beschreiben, dass auch für Kleinkinder und Haustiere eine Gefahr durch herumliegende Zigarettenkippen besteht. Kleinkinder erkunden ihre Umwelt, indem sie viele Dinge in den Mund nehmen und indem sie Erwachsene nachahmen. Bei kleinen Kindern können bereits geringe Dosen Nikotin Übelkeit und Erbrechen sowie in höheren Dosen umfangreichere neurologische Symptome verursachen. Durch den bitteren Geschmack kommt es glücklicherweise selten zu Vergiftungserscheinungen. Bei Haustieren kann eine Nikotinaufnahme zu übermäßigem Speichelfluss, Erregung, Zittern, Erbrechen, Koordinationsstörungen Schwäche, Krämpfe, Atemstillstand und sogar Tod führen. Bei kleinen Hunden können Symptome bereits nach dem Verzehr einer einzigen Zigarette auftreten. Bei größeren Mengen kann eine Nikotinvergiftung tödlich enden. Haustiervögel, welche Berichten zufolge aus Neugierde die Zigarettenkippen aus Aschenbechern im Haushalt gefressen haben sollen, sollen daran gestorben sein.

Das Giftinformationszentrum Nord berichtet auf einer Website des Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung in einem Artikel von 2004, der zuletzt 2024 aktualisiert wurde, dass rund 20 Prozent aller Vergiftungen bei Kindern durch Nikotin verursacht werden. Nur Medikamente sind noch häufiger die Ursache von Vergiftungen (vgl. Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung).

Neben der Gefahr Brände auszulösen, stellen achtlos weggeworfene Zigarettenkippen einen sehr großen Anteil der allgemeinen Müllbelastung dar. 225 Millionen Euro kostet die deutschlandweite kommunale Reinigung allein für Zigarettenkippen im Jahr. Das entspricht rund 32 % der Entsorgungskosten für Einwegkunststoffartikel gesamt (Verband kommunaler Unternehmen, 2020).

Allein diese ausgewählten Hinweise aus einer Reihe weiterer Studien zeigen zusammengenommen, wie schädlich bereits wenige achtlos-unsachgemäß in die Umwelt geworfene Kippen sein können. Darum verweisen wir auf eine sachgemäße Entsorgung im Restmüll ohne Ausnahme.


Quellen:
Baran, Wojciech; Madej-Knysak, Daria; Sobczak, Andrzej; Adamek, Ewa (2020). The influence of waste from electronic cigarettes, conventional cigarettes
and heat-not-burn tobacco products on microorganisms. In: Journal of Hazardous Materials, 385
https://doi.org/10.1016/j.jhazmat.2019.121591

Gladalski, Michał; Norte, Ana Claudia; Bartos, Maciej; Demesko, Iwona; Kalinski, Adam; Markowski, Marcin; Skwarska, Joanna; Wawrzyniak, Jarosław; Zielinski, Piotr; Pietrala, Maria; Banbura, Jerzy (2026). Urban blue tit nests and cigarette butts: accidental litter or adaptive behaviour?. In: Animal Behaviour 233
https://doi.org/10.1016/j.anbehav.2026.123464

Guttmann, Nele; Wolinska, Justyna; Spahr, Stephanie; Martínez-Ruiz, Erika Berenice (2024). Cigarette butts enable toxigenic cyanobacteria growth by inhibiting their lethal fungal infections. In: Ecotoxicology and Environmental Safety, Volume 286.
https://doi.org/10.1016/j.ecoenv.2024.117149

Mohammadi, Azam; Bahrani, Farkhondeh; De-la-Torre, Gabriel Enrique; Saeedi, Reza; Renner, Gerrit; Schmidt, Torsten C.; Dobaradaran, Sina (2025). Cigarette filters as a major source of microfibers in aquatic environments. In: Scientific Reports 15, 36980. https://doi.org/10.1038/s41598-025-20771-7

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung – Giftinformationszentrum Nord (23.05.2024).
https://www.ms.niedersachsen.de/krankenhaeuser/giftinformationszentrum-nord-13212.html (zuletzt abgerufen am 02.02.2026)

Novotny, Thomas E.; Hardin, Sarah N.; Hovda Lynn R.; Novotny, Dale J.; Mc Lean, Mary Kay; Khan, Safdar (2011). Tobacco and cigarette butt consumption in humans and animals. In: Tobacco Control; 20.
https://doi.org/10.1136/tc.2011.043489

Roder Green, Amy L.; Putschew, Anke; Nehls, Thomas (2014). Littered cigarette butts as a source of nicotine in urban waters. In: Journal of Hydrology
https://doi.org/10.1016/j.jhydrol.2014.05.046

Suárez-Rodríguez, Monserrat; Montero-Montoya, Regina D.; Macías Garcia, Constantino (2017). Anthropogenic Nest Materials May Increase Breeding Costs for Urban Birds. In: Frontiers in Ecology and Evolution, Vol. 5:4
https://doi.org/10.3389/fevo.2017.00004

Venohr, Markus; Beusch, Christine; Goldhammer, Tobias; Nguyen, Hanh Hong; Podschun, Simone; Schmalsch, Claudia; Wolter, Christian (2025). Spatial distribution of nicotine concentrations in Berlin’s surface waters and their potential sources. In: Environmental Science and Pollution Research, S. 6784–6803. https://doi.org/10.1007/s11356-025-36124-w

Verband kommunaler Unternehmen (2020). Studie zu Kosten für Sammlung und Entsorgung von Einwegkunststoffartikeln im öffentlichen Raum https://kommunsense.de/wp-content/uploads/newsmappen/vku-studie-20-08-2020.pdf (zuletzt abgerufen am 02.02.2026)



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