Montag, 27.04.2026 – Von Diepholz nach München
Start früh morgens Diepholz. Erst mit dem Regionalexpress über Bremen nach Hannover, dann weiter mit dem ICE 787 nach München. Die lange Anreise hat aber ihren eigenen Rhythmus: erst norddeutsche Weite, viel flaches Land, Felder, Windräder, dann nach und nach bergiger. Je weiter südlich es ging, desto mehr wurde aus „einfach nur unterwegs sein“ auch gefühlt schon Reise.
In München dann erstmal ins gebuchte A&O Hostel. Der Check-in lief erwartbar modern und real dann eher so mittel: Das Self-Service-Terminal konnte mit der Airbnb-Buchung überhaupt nichts anfangen. Immerhin hat ein netter Rezeptionist das Problem schnell gelöst. Ab aufs „hostellige“ Vierbettzimmer, aber nur für mich.
Lange auf dem Zimmer bleiben wollte ich natürlich nicht. Eigentlich war für den Nachmittag/Abend ein Miles-Wagen geplant um weiter draußen wandern zu gehen. Aber die App hat beschlossen, weder PIN noch Passwort anerkennen zu wollen. Zurücksetzen ging leider auch nicht. So viel also zu smarter Mobilität. Also Plan B: Statt wandern -> Stadtwandern.
Die Abend-Runde führte mich vom Hostel aus über die Nymphenburger Straße stadtauswärts. Genau die richtige Strecke, um langsam in München reinzufinden. Richtung Schloss Nymphenburg wurde es zunehmend ruhiger. Spätestens an den Wasserläufen rund um die Schlossanlage war klar, dass sich der Spaziergang gelohnt hatte. Besonders schön: viele Fledermäuse über dem Gewässer. Irgendwie nicht das erste Bild, das man mit München verbindet, aber gerade deshalb ein guter Einstieg.
Den Rückweg habe ich dann lieber etwas abgekürzt und einen E-Roller genommen. Reichte fürs Erste auch völlig. Man muss sich ja nicht direkt am Vorabend des eigentlichen Urlaubs komplett zerlegen. Insgesamt ein guter erster Tag: viel Zug, kleiner Nervfaktor beim Check-In, gescheiterte App-Infrastruktur und am Ende trotzdem noch ein angenehmer München-Abend zu Fuß.

Dienstag, 28.04.2026 – Über die Alpen nach Bologna
Früh raus und mit der Tram zum Bahnhof. Frühstück gab es pragmatisch und gut bei Rischart: ein Frischkäse-Pfefferring, also genau die Art Bahnhofssnack, die überraschend gut funktioniert und dadurch sofort auf die mentale Liste „kann man wieder machen“ kommt.
Der RJ83 stand schon früh am Gleis, was der ganzen Abfahrt etwas Entspanntes gab. Die Strecke Richtung Süden war eine dieser Bahnfahrten, bei denen sich aus dem Fenster schauen wirklich lohnt. Hinter Rosenheim wurde die Landschaft zunehmend ‚alpiger‘: Talräume, Hänge, Felswände, dazu diese sauberen Übergänge zwischen Ortschaft, Flusslauf und Bergkulisse. Rund um Innsbruck dann die klassische Alpenbahnromantik mit Tunneln, Hängen und immer wieder Ausblicken, bei denen man automatisch etwas länger hinschaut. Da ich die Strecke nun schon zum zweiten Mal fuhr, konnte ich das Panorama mit weniger staunen mehr/besser genießen.
In Bologna angekommen ging es direkt ins Hotel Internazionale, Gepäck aufs Zimmer und danach natürlich wieder raus. Die erste Runde durch Bologna war ideal, um die Stadt sofort in Bewegung kennenzulernen. Unter den Arkaden läuft es sich sowieso hervorragend, und gerade am ersten Abend war das genau richtig: kein großer Masterplan, sondern treiben lassen. Die Strecke führte mich durch die Innenstadt, vorbei an den typischen warmen Fassaden, durch Gassen, über Plätze, vorbei an Bars, kleinen Läden und dieser ganz eigenen Bologna-Mischung aus studentisch, würdevoll und leicht abgegriffen. Ich mag’s.
Zum Abendessen gab es selbstverständlich Tagliatelle al Ragù. Restaurantname leider vergessen (daher hier nur ein Link auf ein Rezept), aber geschmacklich absolut korrekt. Danach noch weiter durch die Stadt und schließlich einkaufen. Der gefundene Conad wirkte zuerst nach normalem Supermarktprogramm, bis am Eingang die frischen Muscheln lagen und klar war: okay, hier ist die Preisklasse schon etwas ambitionierter. Positiv immerhin: große Bierauswahl. Verstörend dagegen: Chips mit „Pussy“-Geschmack. Manche Dinge muss man nicht verstehen.
Meine wichtigste Erkenntnis des Tages kam aber nicht aus dem Supermarkt, sondern eher so zwischendurch: In einer Stadt zu sein, in der einen niemand kennt, ist erstaunlich befreiend.

Mittwoch, 29.04.2026 – Banksy, Bierbänke und Bologna im Fluss
Frühstück Continental, also solide Grundlage ohne Überraschungen. Danach ging es direkt zum Palazzo Fava in die Banksy-Ausstellung. Die war inhaltlich durchaus spannend, vor allem weil sie nicht nur Werke gezeigt hat, sondern auch die Szene drumherum erklärt hat: Bristol, Graffiti, politische Bildsprache, die Entwicklung Banksys vom Straßenkünstler zur globalen Figur. Besonders hängen geblieben ist die Verbindung zur Musikszene und die Rolle von Massive Attack im Umfeld. Insgesamt wirklich interessant – aber auch schneller durch als gedacht. Nach gut einer Stunde hatte ich das Gefühl: Das war’s schon?
Danach ging es weiter Richtung MAMbo. Laut Plan klang das nach einer guten Anschlussoption, praktisch war es dann aber noch zu. Also genau die Sorte kleiner Museumsdämpfer, die man auf Städtereisen zwangsläufig mitnimmt. Anstatt sich darüber groß zu ärgern, bin ich einfach weitergelaufen und habe mich einfach treiben lassen. Und wie so oft war gerade das die bessere Entscheidung.
So führte ich mich unter anderem in den Parco del 11 Settembre, diesen 11.-September-Park, der sich perfekt für eine langsamere Mittagspause eignete. Dort eine Bar gefunden, die Bier in Plastikbechern auf Bierbänken ausschenkt – also genau das richtige Setting für Sonne, Fotos sichten, kurz durchatmen und innerlich diesen Reisetag markieren mit dem Vermerk: ja, gefällt mir. Nach einem Bier und einer guten Portion neuer Bilder ging es erstmal zurück zum Hotel, Beine hoch, kurz raus aus dem Laufmodus.
Am Nachmittag dann zweiter Anlauf beim MAMbo. Diesmal offen. Gezeigt wurde unter anderem John Giorno, dazu weitere Positionen aus der modernen und lokalen Kunstszene. Formal alles okay, aber emotional sprang der Funke nur selten über. Giorno selbst war noch am ehesten interessant – irgendwie so eine Figur, die man sich in ihrer Wirkung vorstellen kann, ohne sofort alles großartig finden zu müssen. Für den Rest galt eher: gesehen, eingeordnet, weiter.
Danach nochmal durch die Stadt. Kein großes Ziel, eher Stadtschlendern unter Arkaden, durch Seitenstraßen, vorbei an Schaufenstern, Plätzen und diesen Ecken, in denen Bologna besonders angenehm wirkt, weil es eben nicht geschniegelt wirkt. Abends dann Essen bei Tagliatella, diesmal Lasagne statt Ragù. Eine sehr richtige Entscheidung. Den Rest des Abends habe ich dann bewusst ruhig verbracht. Bett, Beine hoch, etwas regenerieren. Man merkt ja doch irgendwann, dass selbst gemütliches Stadterkunden ein ziemlicher Leg-Day-Sport ist.

Donnerstag, 30.04.2026 – Antike Funde, Türme und ein Hotelwechsel
Wieder Continental-Frühstück. Danach auschecken, Gepäck zunächst noch im Hotel gelassen und den Tag genutzt, bevor am Nachmittag der Wechsel ins Hotel Roma anstand. Der Plan dieses Tages war angenehm funktional: weniger „einfach treiben lassen“ als an den Vortagen, dafür klarer als Museums- und Innenstadtrunde aufgebaut.
Erster Halt war das Archäologische Museum. Viel Ägypten, viel Italien, viele Vitrinen, viele Dinge, bei denen man kurz innehält und dann doch merkt, dass archäologische Museen auch stark davon leben, wie fit man geistig an dem Tag gerade ist. Ein Highlight war aber definitiv der San-Francesco-Fund: enorme Mengen an Bronze-Kleinteilen, in einem großen Terrakottagefäß vergraben. Hauptbestandteil des Funds: Bronzene Gewandspangen, nicht Blutegelfiebeln, was mir Lens zunächst als Übersetzung angeboten hatte. Wieder was gelernt.
Danach führten mich meine Beine weiter durchs Zentrum. Besonders lohnend war das Rathaus bzw. der Palazzo d’Accursio mit seinen Ausstellungsbereichen. Dass dort einiges kostenlos zugänglich war, machte das Ganze noch sympathischer. Bezahlt habe ich trotzdem für den Uhrturm und das Kombiticket, und das war gut investiertes Geld. Der Blick über Bologna lohnt sich. Von oben wurde die Stadt nochmal greifbarer: das Dächermeer, die kompakte Altstadt, die Reste der einstigen Turmstadt und das Gefühl, dass Bologna trotz ihrer Geschichte nie geschniegelt oder museal wirkt, sondern immer noch wie eine benutzte Stadt. Maybe das Gegenstück zu Florenz.
Drinnen war nicht alles gleich spannend. Einige Teile des Museums fielen für mich wieder in die Kategorie „kirchliche Gemälde, die ich seit Florenz im letzten Jahr eigentlich ausreichend abgefrühstückt habe“. Aber das Modell des mittelalterlichen Bologna war wirklich stark. Zu sehen, wie dicht und turmreich die Stadt einmal gewesen ist, macht viele Straßenzüge plötzlich verständlicher.
Auf der Piazza Maggiore wurde bereits die Bühne für den nächsten Tag aufgebaut. Festa dei Lavoratori oder schlicht Primo Maggio. Es lief Soundcheck, und zwar nicht nur halbherzig, sondern mit vollständigen Songs. Bologna wirkte dadurch schon leicht im Vorbereitungsmodus für irgendetwas Größeres. Danach dann der Hotelwechsel ins Hotel Roma. Koffer rübergerollt, Bett gecheckt, Füße hoch. Später noch kurz einkaufen: Pesto, Snacks, Eis. Dann war aber auch gut. Die ersten Tage hatten genug Material geliefert.

Freitag, 01.05.2026 – Von Bologna nach Neapel mit Vesuvbonus
Morgens nochmal gut gefrühstückt, wenn auch etwas zurückhaltender als an den Tagen davor. Danach ging es zum Bahnhof und in den Frecciarossa FR9619 Richtung Neapel. Der Tiefbahnhof in Bologna bleibt für mich jedes Mal ein seltsamer Ort – irgendwo zwischen moderner Verkehrsinfrastruktur und Tiefgaragenästhetik. Praktisch, aber atmosphärisch trotzdem leicht absurd.
Die Zugfahrt Richtung Süden hatte landschaftlich einen anderen Charakter als die Alpenstrecke. Weniger spektakuläre Vertikale, dafür viel Weite, Felder, verstreute Orte, Industrieinseln und dazwischen immer wieder Landschaften, die im schnellen Vorbeifahren fast etwas ausgeruht wirken. Je näher man Neapel kommt, desto dichter und unruhiger wirkt auch das Umfeld. Da kündigt sich eine andere Stadt an.
Und Neapel ist dann auch sofort anders. Wärmer, voller, lauter. Und mit diesem völlig unverschämten Hausberg, der die ganze Stadt optisch dominiert. Zum Glück lag das Hotel Sant’Angelo Palace nur 150 Meter vom Bahnhof entfernt. Das Zimmer selbst war eher so mittel, wurde aber von einem absurd großen OLED-Panel dominiert, das den Restzustand fast dekorativ überspielte. Für eine Nacht war es okay.
Danach direkt wieder raus. Eigentlich wollte ich ans Wasser, aber Neapel ist am Hafen nicht automatisch die Stadt für den entspannten Promenadenspaziergang. Also Planänderung: Aussichtspunkt. Und hier lieferte Komoot ziemlich zuverlässig. Es führte durch abseitigere Gassen, fern von den größeren Straßen, durch genau diese herrlich heruntergekommenen Teile der Stadt, in denen Neapel zugleich anstrengend und faszinierend ist. Treppen ohne Ende, immer wieder neue Richtungen, schmale Durchgänge, Mauern, Innenhöfe, dann plötzlich irgendwo eine Sichtachse.
Der erste richtige Blick aufs Wasser kam zwar relativ spät und auch nur als Zwischenbelohnung. Hoch ging es trotzdem noch weiter. Aber oben angekommen lohnte es sich: schöne Aussicht über Stadt und Bucht, gute Fotos und ein netter Fund in Form einer Lounge-Bar mit Sitzplatz und Vesuvblick. Klo, Klima, kostenlose Chips zum Bier – im Grunde die perfekte Pause nach dem Aufstieg.
Dort habe ich auch Fotos bearbeitet und das Tagebuch weitergeführt. Danach weiter zur Metrostation und zurück Richtung Bahnhof. Heute ausnahmsweise mal kein italienisches Abendessen, sondern Five Guys. Schräg gegenüber vom Hotel und in dem Moment genau richtig. Nach den ganzen Treppen war der Rest des Abends dann allerdings maximal unspektakulär: zurück ins Hotel, Füße hoch, Feierabend.

Samstag, 02.05.2026 – Mit dem Zug aufs Schiff und weiter nach Palermo
Frühstück im feuchten Keller des Hotels. Man merkte wirklich, dass sich dort Mühe gegeben wurde, aber es half alles nichts: Das Haus war einfach ziemlich runter.
Am Bahnhof von Neapel dann eine für mich interessante Eigenheit: Auf die Bahnsteige dürfen offenbar nur die Menschen, deren Zug gerade einfährt. Der Rest der Anlage wirkte dadurch fast gespenstisch leer. Bei gefühlt fünfzehn Bahnsteigen außerhalb des aktiven Bereichs entsteht so eine merkwürdige Mischung aus Kontrolle und Kulisse.
Der Intercity 723 passte vom Zustand her leider ganz gut zum Hotel. Ältere Sitze, Toiletten mit klarem Retro-Gefühl und leider auch kein Bordbistro. Die Strecke selbst machte aber wieder einiges wett. Immer wieder sah man Küstenabschnitte, Orte am Hang, Industrie, kleine Bahnhöfe dazwischen und eine Landschaft, die mehr und mehr auf den Übergang nach Sizilien zulief. In Pizzo habe ich den Nasenbär-Baum dokumentiert. Check auf der persönlichen Erinnerungsliste.
Dann der besondere Teil: die Schiffsüberfahrt. Mit dem Zug auf die Fähre zu fahren, hatte ich bis dahin auch noch nicht erlebt. Allein dafür hat sich der Abschnitt schon gelohnt. Auf dem Schiff draußen stehen, ein Selfie mit mir und der Lok machen, während der Zug praktisch mitfährt – das ist schon eine sehr spezielle Form von Bahnromantik. Dazu noch ein Espresso auf der Fähre und ein paar Fotos vom Wasser. Besser wird Transit eigentlich kaum.
Auf der Weiterfahrt nach Palermo gab es noch etwas Meerblick, leider war ich eher auf der falschen Seite des Zuges. Ich glaube trotzdem, kurz den Ätna in der Ferne gesehen zu haben, auch wenn solche Momente ja immer ein bisschen unter Vorbehalt stehen: War das wirklich der Ätna oder wollte ich einfach, dass es der Ätna ist?
In Palermo angekommen ging es direkt in die Ferienwohnung – und die war nach Neapel ein Volltreffer. Loftartig (zwei Stockwerke), viel Platz, sofort das Gefühl, wieder vernünftig angekommen zu sein. Danach noch raus in die Stadt. Palermo wirkte sofort anders als Bologna oder Neapel: schmutzig, voll, laut, aber auf eine sehr lebendige Weise. Der Platz vor der Wohnung war voller Menschen, und zunächst dachte ich noch an irgendein Fest oder besondere Feierlichkeiten. Später stellte sich heraus: möglicherweise einfach normaler Abend in Palermo.
Lasagne gab es natürlich trotzdem. Und die fiel deutlich anders aus als in Bologna: mehr Sauce, weniger Ragù, weniger auf Balance, dafür rustikaler und schwerer. Aber eben auch lecker. Während des Essens kam dann noch per Kurznachricht eine dieser kleinen Wendungen des Lebens dazu, bei denen eine bis dahin unvermutete Zahl plötzlich mehr Bedeutung bekommt. Den Abend habe ich dann deutlich ruhiger auf dem Sofa mit YouTube ausklingen lassen. Nach Zug, Schiff und Sizilien-Ankunft war das genau richtig.

Sonntag, 03.05.2026 – Palermo zwischen Meer, Museen und Luftwurzeln
Heute wollte ich als Erstes ans Wasser. Nach der Anreise am Vortag hatte ich davon im Zug und auf der Bahnseite zu wenig gesehen, also sollte es nun bewusst Meer werden. Die Kartenapp (CoMaps) auf dem Smartphone führte zunächst Richtung Hafenbereich. Unterwegs kam ich noch über einen Flohmarkt, der schön zum Schauen war, aber nicht gefährlich genug, um tatsächlich etwas zu kaufen.
Ein echtes Highlight stand dann etwas versteckt im Garten der Villa Garibaldi: die riesigen Feigenbäume mit ihren Luftwurzeln und zusätzlichen Stützstämmen. Drei Stück davon, laut Schild rund 150 Jahre alt. Genau solche Dinge mag ich auf Reisen besonders – nicht die große berühmte Sehenswürdigkeit, sondern etwas, das biologisch und optisch einfach komplett irre wirkt. Danach ging es weiter ans Meer. Ein Stück an der Promenade entlang, Sonne genießen, Wasser schauen, erstmal ankommen in Palermo.
Weil es der erste Sonntag im Monat war, hatten die staatlichen Museen kostenlos geöffnet. Also thematischer Schwenk vom Meer zur Kultur. Erst ins historische Museum – das war eher schnell abgearbeitet: römische Statuen, Kirchenbilder, funktional. Toilette mitgenommen und weiter. Danach zur GAM, also zur Galleria d’Arte Moderna. Dort musste ich zunächst warten, weil die offenbar nur in kleinen Kontingenten einlassen. Das war aber am Ende sogar ganz angenehm, weil es drinnen nicht überfüllt war. Ein paar Bilder und Plastiken waren durchaus sehenswert, aber der Museumsrausch stellte sich nicht vollumfänglich ein.
Nach Strandpromenade und zwei Museen war erstmal wieder Pause angesagt. Also zurück in die Wohnung, Füße hoch, kurz runterfahren. Später ging es weiter zur Kathedrale von Palermo. Dort kam man für wenig Geld aufs Dach – und das war klar die richtige Entscheidung. Der Zugang, halb versteckt hinter einem Altar, hatte schon etwas angenehm Geheimnisvolles, oben dann ein wirklich guter Rundblick über die Stadt.
Danach noch ins No-Mafia Memorial. Das war allerdings deutlich weniger informativ, als ich gehofft hatte. Sehr viele schwarz-weiße Bilder ermordeter Menschen, teils ziemlich drastisch, dazu der Großteil nur auf Italienisch. Interessant als Thema, in der konkreten Umsetzung für mich aber eher unerquicklich. Also weiter. Ein Eis auf die Hand, dann der Entschluss, noch Richtung Kapuzinergruft zu gehen. Am Palazzo Reale vorbei – dort wäre eigentlich noch eine Monet-Ausstellung gewesen, aber leider geschlossen. An der Gruft angekommen dann die Ernüchterung: lange Schlange, mindestens 60 Minuten in der Sonne warten. Dafür war meine Bereitschaft an dem Punkt klar zu gering. Also lieber abkühlen im Straßencafé. Auch ein gutes Kulturgut.
Zurück in der Wohnung gab es später noch Carbonara im I Cucci. Leider eher enttäuschend – zu knusprig gebratener Pancetta, merkwürdige Sauce. Dafür aber immerhin wieder schöne Straßenmusik als Begleitprogramm. Am Ende also ein typischer Reisetag: nicht alles top, aber insgesamt voll von Bildern, Wegen und kleinen, neuen Beobachtungen.

Montag, 04.05.2026 – Busfahren in Palermo und die Suche nach der guten Mall
Für heute hatte ich mir vorgenommen, Palermo mal nicht nur zu erlaufen, sondern ausnahmsweise über seine Einkaufszentren und Verkehrswege kennenzulernen. Klingt unspektakulär, ist aber oft eine ziemlich gute Methode, um etwas mehr vom Alltagsbetrieb einer Stadt mitzubekommen. Die erste Fahrt führte mich mit dem Bus nach draußen zu einem angeblichen Einkaufszentrum, das sich vor Ort dann eher als größerer Supermarkt mit ein paar angeschlossenen Geschäften entpuppte. Große Illusion zerschlagen, Einkauf trotzdem erfolgreich. Immerhin konnte ich mich dort schon ganz gut für die Weiterreise nach Rom eindecken.
Das eigentliche Erlebnis war ohnehin die Busfahrt selbst. Palermo fährt nicht, Palermo schlingert. Die Straßenführung, der Verkehr und die Fahrweise machen das Ganze zu einer Angelegenheit, die für schwache Mägen eher nicht ideal ist. Dafür sieht man aus dem Bus heraus mehr von der Stadt als aus jeder sterileren Form der Fortbewegung. Besonders schön war die Beobachtung des vermutlich verbeultesten noch fahrenden Autos des Tages – und natürlich war es eine Fahrschule. Symbolischer wird’s nicht.
Auf dem Rückweg fiel mir dann auf, dass die Straßenbahnlinie 1 bis zu einem „richtigen“ Einkaufszentrum rausfährt. Also nochmal los. Endstation und tatsächlich: diesmal eine echte Mall. Allerdings im inhaltlichen Sinne eher eine globale Standardanlage. Mango, Zara, H&M, also genau die Art von Läden, die den Ort austauschbar macht. Immerhin gab es wieder einen guten Supermarkt und darin eine Bar/Bäckerei mit wirklich sehr gutem Gebäck. Außerdem eine riesige Nudelauswahl, bei der ich natürlich für zuhause zugeschlagen habe. Bei JP habe ich dann auch noch eine neue Shorts gekauft, damit der Tag wenigstens nicht komplett unter „funktionaler Konsum“ verbucht werden musste.
Nachdem ich den Einkauf zurückgebracht hatte, wollte ich den Westen Palermos noch etwas intensiver sehen. Hier war irgendwo eine Tramlinie angekündigt, gefunden habe ich am Ende aber nur Busse. Also rein und einmal bis zur Endstation am Stadion und wieder zurück. Auch das war letztlich eine gute Entscheidung, weil man auf diese Weise noch einmal ganz andere Straßenzüge, Wohnviertel und städtische Übergänge mitbekommt als im Zentrum. Es ist eben eine andere Form von Sightseeing: weniger Postkartenmotiv, mehr Stadtkörper.
Abends dann KFC. Die Pommes waren absurd salzig, aber genau das ist in solchen Momenten manchmal ja eher Feature als Fehler. Den Rest des Abends habe ich mit „The Race“ verbracht. Auch auf Reisen braucht es manchmal einfach Bingewatching statt Basilika.

Dienstag, 05.05.2026 – Von Palermo nach Rom
Am nächsten Morgen ging es weiter mit dem Intercity 730 nach Rom. Reisetage ohne wandern sind immer etwas anders aufgebaut, weil der Tag dann weniger aus einem zusammenhängenden Stadtrundgang besteht und mehr aus Übergängen, Beobachtungen und kleineren Stationen unterwegs. Genau so war es hier auch.
Die Fahrt begann auf Sizilien und führte dann wieder über den besonderen Abschnitt mit Schiff und Festlandverbindung. Auf dem Schiff habe ich diesmal einen Arancino probiert und direkt als gut eingestempelt. So ein Snack erklärt über sich selbst ja meist in einem Bissen, warum es ihn gibt. Ansonsten war die Fahrt zunächst eher unspektakulär, was ja nicht immer schlecht ist. Man sitzt, schaut raus, liest, denkt, döst kurz weg, schaut wieder raus.
Zum Ende hin wurde die Fahrt allerdings zäh. Vor allem wegen der Klimaanlage, die offenbar den Auftrag hatte, den Wagen in eine mobile Tiefkühlzone zu verwandeln. Die letzten beiden Stunden waren dazu schon dunkel, also fiel auch das klassische „wenigstens aus dem Fenster schauen“ als Beschäftigung zunehmend weg. So bleibt dann vor allem der Zug selbst übrig – und der ist ohne Aussicht bei Überklimatisierung eben irgendwann einfach nur noch Verkehrsmittel.
In Rom angekommen war ich entsprechend froh, dass sich wenigstens der letzte Abschnitt unkompliziert gestaltete. Die Abkürzung über die Skywalks zur Metro hat gut funktioniert, die Wohnung – Relais Roma Vaticano – war relativ schnell gefunden, und an dem Punkt gab es dann auch keinen Grund mehr, noch irgendeinen Ehrgeiz zu entwickeln. Der Tag hatte genug Strecke, genug Kälte und genug Transit. Also direkt ins Bett.
Gerade solche Tage sind im Rückblick nicht die spektakulärsten, aber sie gehören zu längeren Reisen eben dazu. Und oft sind sie sogar wichtig, weil sie zwischen zwei intensiveren Städten so eine Art Puffer bilden. Palermo sacken lassen, Rom noch nicht beginnen – einfach nur von A nach B kommen. Genau dafür war dieser Tag da.

Mittwoch, 06.05.2026 – Papstaudienz, Forum Romanum und einmal um den Vatikan
Frühstück gab es im Café Mozart, ganz klassisch italienisch mit Croissant, Saft und Espresso. Kein großes Ereignis, aber genau richtig als Ausgangspunkt, zumal ich ohnehin schon direkt am Vatikan untergebracht war. Also lag es nahe, den Tag dort zu beginnen. Dass an diesem Morgen ausgerechnet die Generalaudienz des Papstes stattfand, wusste ich vorher nicht. Aber manchmal ist es auf Reisen gerade ganz schön, in so etwas ungeplant hineinzustolpern.
Der Petersplatz war entsprechend voll, und die gesamte Veranstaltung hatte etwas leicht Surreales. So viele Menschen, die den Papst mit einer Mischung aus religiöser Hingabe und Popstar-Verehrung behandeln, sieht man auch nicht alle Tage. Noch absurder wurde es durch die Musik. „Dancing Queen“ und „Music Was My First Love“ als Teil des Drumherums hatten schon deutliche Event-Atmosphäre. Und als dann das Papamobil auftauchte und die Runde über den Platz drehte, war der Punkt erreicht, an dem die Szene endgültig irgendwo zwischen Liturgie und Show pendelte. Das Highlight blieb aber die weiße G-Klasse, die den Pabst selbst die Stufen zum Petersdom hochfuhr. Hoppeldihoppeldi…
Danach ging die eigentliche Stadt-Wander-Runde durch Rom los – ohne allzu starres Ziel, aber mit grober Richtung hinein in die Stadt. Rom ist in vielen Bereichen visuell und akustisch anstrengender als andere Städte: Menschenmengen, Motorroller, enge Straßen, Lärm, Gerüche (auch Gute: kurz eine Lasagne zum Mittag im Ristorante Massenzio Ai Fori) und Hitze. Alles ist gleichzeitig da. Gerade deshalb wirken die historischen Räume dann umso stärker, wenn man sie erreicht. Beim Forum Romanum habe ich mich spontan doch für den Eintritt entschieden und das keine Sekunde bereut. Es ist einer dieser Orte, die man vorher natürlich schon tausendmal auf Bildern gesehen hat und die einen dann trotzdem vor Ort nochmal mit ihrer räumlichen Wucht erwischen. Drei Stunden bin ich dort herumgelaufen, habe geschaut, gelesen, mich beeindrucken lassen und gleichzeitig gemerkt, wie viel von Rom eigentlich aus Schichtung besteht: Geschichte auf Geschichte auf Geschichte.
Von dort ging es Richtung Kolosseum und dann per Metro zurück zur Unterkunft. Kurz etwas trinken, Füße hoch, neu sortieren. Später habe ich noch versucht, am Vatikan die „Vox Latina“ zu bekommen, also diese lateinische Zeitschrift, die laut „Internet“ aus vatikanischen Kreisen stammen soll. Vor Ort kannte sie aber niemand. Auch schön, wenn das Internet mal wieder ein Paralleluniversum aufmacht. Eigentlich kommt diese Zeitschrift aus Saarbrücken (^,^) Machste nix!
Da ich schonmal da war konnte ich auch gleich noch einmal um den Vatikan herumgelaufen. Die hohen Mauern, die überraschend abgeschlossene Wirkung und sogar der eigene Gleisanschluss machen den Vatikan als Staat nochmal auf eine ganz andere Weise greifbar. Rom verlangt einem viel Sinneseindruck ab. Da ist ein Tagesausklang mit einem guten Buch (Gott segne Sie, Mr. Rosewater – Kurt Vonnegut Jr.) manchmal genau richtig.

Donnerstag, 07.05.2026 – Letzter Rom-Tag, Shopping und Nachtzug
Letzter voller Tag. Abreise erst am Abend, also genug Zeit, um noch etwas mit Rom anzustellen. Das Gepäck konnte ich zum Glück in der Unterkunft lassen, was die Bewegungsfreiheit direkt deutlich erhöhte. Ohne Gepäck geht man in einer Stadt gleich anders – weniger wie jemand im Übergang, mehr wie jemand, der noch einen echten Tag vor sich hat.
Der Plan war eine Skateshop-Shoppingtour durch Rom. Der erste Laden hatte donnerstags allerdings geschlossen. Natürlich. Also weiter zum zweiten Laden. Dort lief es deutlich besser: neue Chino, neues T-Shirt. Danach weiter zum dritten Laden – und auch dort noch einmal erfolgreich eskaliert mit neuer Cargo und zwei weiteren Shirts. Rein ökonomisch sicher diskutabel, aber als Reisetagserfolg völlig in Ordnung.
Was dabei erneut auffiel: Rom ist keine Stadt, in der man mal eben ein paar Läden abklappert. Selbst bei funktionalem Programm läuft, schwitzt und arbeitet man sich ständig durch eine visuell und akustisch dichte Umgebung. Verkehr, Menschen, Hitze, Pflaster, Kreuzungen, Geräusche – alles bleibt intensiv. Da ich irgendwann ohnehin schon rund fünf Kilometer gelaufen war, konnte ich den Rest dann auch noch zu Fuß zurück zur Wohnung (zum Gepäck) nehmen. Schnell war das nicht unbedingt, aber konsequent.
Dort erstmal Wasser, einmal durchschnaufen. Zu dem Zeitpunkt war ich noch überzeugt, im Nachtzug später einfach duschen zu können. Der Gedanke war angenehm, leider aber falsch. Duschen offenbar nur in der ersten Klasse. Wieder etwas gelernt, wenn auch zu spät. Im Nachtzug durch Schweden 2024 konnte noch jede*r Duschen.
Am Abend dann Richtung Roma Tiburtina. Dort erstmal ungefähr eine Stunde warten. Tiburtina ist funktional, sachlich und ein Bahnhof, der einem nicht viel anbietet außer der klaren Botschaft: Hier wird abgefahren, nicht flaniert. Irgendwann kam dann der Zug EN294. Im Wagen stellte sich schnell heraus, dass ich ihn mit einer holländischen Lateinkursfahrt teilen würde. Also war die Lautstärke im Grunde schon vorprogrammiert. Immerhin hatte das Unterhaltungswert. Man nimmt aus solchen Nächten ja nicht immer Schlaf mit, manchmal eben andere Erkenntnisse – etwa, dass die Werwölfe in Holland wohl aus Wakkerdam kommen und dass in Amsterdam offenbar auch Griechisch unterrichtet wird. ¯\_(ツ)_/¯
Die Nacht selbst war dann insgesamt unerquicklich. Das Kissen zu klein, die Decke zu dünn, die Matratze eher ein Brett als ein Bett. Ich schätze, auf zwei bis drei Stunden Schlaf bin ich vielleicht gekommen, aber nur in kleinen Etappen. Es war also eher eine transportierte Müdigkeit als wirkliche Nachtruhe.

Freitag, 08.05.2026 – München im Halbschlaf und dann zurück nach Diepholz
Filterkaffee am Morgen im Zug. Normalerweise überhaupt nicht mein Favorit, aber in genau diesem Zustand war er geradezu willkommen. Wenn man aus so einer Nacht kommt, bewertet man Getränke nach Funktion und nicht nach Stil. Und funktional war der Kaffee sehr.
In München angekommen ging es erstmal ans Organisieren: Gepäck ins Schließfach, dabei feststellen, dass die Wechselstube für Kleingeld einfach mal zehn Prozent nimmt, und froh sein, dass ich noch sechs Euro passend hatte. Danach stand die nächste improvisierte Schadensbegrenzung an. Weil das mit dem Duschen im Nachtzug ja nichts geworden war, musste wenigstens eine Cappy her. Gut, dass TK Maxx so etwas hat. Fünfzehn Euro für das Gefühl, wieder halbwegs präsentabel auszusehen, waren in dem Moment vollkommen okay.
Danach habe ich die Zeit bis zur Weiterfahrt mit einer letzten Runde durch München gefüllt. Und die war ein überraschend guter Abschluss der Reise. Einfach nochmal loslaufen, jetzt schon mit diesem leichten Endzeitgefühl von „gleich geht’s wirklich heim“. Der Viktualienmarkt war eines der Ziele. Mehr Touristenattraktion als echter Wochenmarkt, aber trotzdem interessant zum Durchlaufen und Beobachten. Bemerkenswert fand ich vor allem, wie früh dort schon größere Mengen Bier bewegt wurden. Freitagvormittag, Maßkrug, ganz normal. München spielt einfach nach eigenen Regeln.
Danach weiter zum Alten Peter. Die Zahl der Stufen hatte ich vorher etwas unterschätzt, und oben war ich entsprechend gut am Schnaufen. Dafür wurde man mit einer schönen Aussicht über München belohnt. Leider war es etwas diesig, sodass die Alpen nicht zu sehen waren, aber auch ohne Fernsicht war der Blick über die Stadt ein guter Abschlussmoment. Danach runter und noch ins „Cafe Fräulein“ gesetzt: Marmorkuchen und zwei Espresso. Genau die richtige Mischung aus kleiner Pause und bewusster Verlängerung des Reisetages.
Vor der Abfahrt ging es natürlich noch einmal zu Rischart – zwei Pfeffer-Frischkäse-Ringe mussten mit. Danach in den ICE 680 nach Hannover. Ab dort dann leider nochmal deutscher Nahverkehr in Reinform: Der Regio wartete nicht, also 59 Minuten später weiter nach Bremen und von dort mit dem letzten Zug der Reise zurück nach Diepholz.
Und dann wirklich: Home sweet Home.

























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