Haushalt der Stadt Diepholz von 2016 bis heute


Die Kommunalfinanzen Diepholz von 2016 bis 2025 im Überblick: Zehn Haushaltspläne und fünf Jahresabschlüsse der Stadt Diepholz aus den Jahren 2016 bis 2025, zusammengeführt aus den amtlichen PDF-Veröffentlichungen (Vorberichte, Rechenschaftsberichte und Haushaltssatzungen). Der folgende Überblick fasst die zentralen Befunde zu Ergebnishaushalt, Finanzkraft, Schulden und Investitionen zusammen. Grundregel für die Lesart: Plan = Ansatz des jeweiligen Haushaltsjahres, Ist = Ergebnis der Jahresrechnung (liegt bis 2020 vor). Alle Angaben in Mio. €, sofern nicht anders vermerkt.

Kommunalfinanzen Diepholz: das große Bild

Das geplante Haushaltsvolumen ist deutlich gewachsen: Die ordentlichen Aufwendungen steigen im Plan von 29,1 Mio. € (2016) auf 43,3 Mio. € (2025) – ein Zuwachs von 49 % in zehn Jahren. Seit 2020 planen die Aufwendungen den Erträgen sichtbar davon: Neun von zehn Plänen rechnen mit einem Defizit, nur 2019 (+0,17 Mio. €) und 2020 (±0) sind ausgeglichen angesetzt. Für 2025 steht ein geplantes Jahresergebnis von −2,9 Mio. € in den Büchern.

Erträge und Aufwendungen 2016–2025 (Plan, Mio €)
Erträge und Aufwendungen 2016–2025 (Plan, Mio €)
Geplantes Jahresergebnis 2016–2025 (Mio €)
Geplantes Jahresergebnis 2016–2025 (Mio €)

Plan trifft Wirklichkeit: Das Ist ist deutlich besser

Der wichtigste Befund: Für alle fünf Jahre mit vorliegendem Abschluss (2016–2020) übertrifft das Ist den Plan deutlich. Statt der geplanten −2,9 Mio. € stehen kumuliert +12,4 Mio. € Überschuss in den Büchern. Die größte Abweichung zeigt 2018 mit +5,9 Mio. € gegenüber dem Ansatz.

Jahresergebnis 2016–2020: Plan vs. Ist (Mio €)
Jahresergebnis 2016–2020: Plan vs. Ist (Mio €)

Der Grund liegt auf beiden Seiten der Bilanz: Die Erträge wurden durchgehend vorsichtig angesetzt – das Ist lag in jedem Jahr über dem Plan (2018: +6,5 Mio. €). Gleichzeitig blieben die Aufwendungen 2016–2018 und 2020 unter Plan; nur 2019 wurde der Ansatz geringfügig überschritten.

Ordentliche Erträge · Plan vs. Ist (Mio €)
Ordentliche Erträge · Plan vs. Ist (Mio €)
Ordentliche Aufwendungen · Plan vs. Ist (Mio €)
Ordentliche Aufwendungen · Plan vs. Ist (Mio €)

Woher das Geld kommt und wohin es fließt

Auf der Ertragsseite tragen die Steuern die Entwicklung: Ihr Ansatz steigt von 19,5 auf 27,1 Mio. € und stellt 2025 rund 67 % der ordentlichen Erträge. Zuwendungen legen ab 2022 spürbar zu. Auf der Aufwandsseite bleiben die Transferaufwendungen der größte Block (2025: 19,9 Mio. € bzw. 46 %), gefolgt vom Personal (11,5 Mio. € inkl. Versorgung, 26 %). Der Löwenanteil der Transfers ist die Kreisumlage – Sozial- und Jugendhilfe sind Aufgaben des Landkreises.

Struktur der Erträge (Plan)
Struktur der Erträge (Plan)
Struktur der Aufwendungen (Plan)
Struktur der Aufwendungen (Plan)

Finanzkraft je Einwohner

Die Gewerbesteuer schwankt stark: Rekord von 13,7 Mio. € (2018), Corona-Einbruch auf 7,6 Mio. € (2020), Erholung ab 2021. Stabile Konstante ist die Grundsteuer B mit 2,5–2,7 Mio. €. Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer wächst stetig von 5,9 auf 8,1 Mio. € (+37 %) und erweist sich als konjunkturrobuster als die Gewerbesteuer.

Gewerbesteuer und Grundsteuern (Ist, Mio €)
Gewerbesteuer und Grundsteuern (Ist, Mio €)
Gemeindeanteile Einkommen- & Umsatzsteuer (Ist)
Gemeindeanteile Einkommen- & Umsatzsteuer (Ist)

Die Schlüsselzuweisungen des Landes schwanken je nach Steuerkraft des Vorvorjahres kräftig: von 0,42 Mio. € (2016) auf 4,44 Mio. € (2023) – pro Kopf von 25 auf 251 €/EW, ein Zehnjahreshoch, das die relative Steuerkraft-Schwäche nach Corona spiegelt.

Schlüsselzuweisungen (Ist, Mio €)
Schlüsselzuweisungen (Ist, Mio €)

Bei den Hebesätzen gab es nach acht Jahren Konstanz (400/360/370) zwei Schritte: Gewerbesteuer auf 410 zum 01.01.2023, Grundsteuern A und B auf 410 zum 01.01.2024 (zeitgleich mit der Grundsteuerreform); 2025 unverändert.

Realsteuer-Hebesätze 2016–2025 (v. H.)
Realsteuer-Hebesätze 2016–2025 (v. H.)

Pro Kopf betrachtet liegen die Steuern zwischen 1.127 und 1.485 €/EW (Spitze 2018); der Plan 2025 setzt 1.537 €/EW an – meist über dem Median vergleichbarer Kommunen unter 20.000 Einwohnern. Die kommunalen Entgelte je Einwohner sind mit 205–214 €/EW stabil (ohne Abfall/Wasser, die beim Landkreis bzw. Verband anfallen).

Steuern u. ähnl. Abgaben je Einwohner
Steuern u. ähnl. Abgaben je Einwohner
Schlüsselzuweisungen je Einwohner (Ist)
Schlüsselzuweisungen je Einwohner (Ist)
Kommunale Entgelte je Einwohner (Ist)
Kommunale Entgelte je Einwohner (Ist)

Bei der Ausgabenstruktur zeigt sich keine strukturelle Kostendrift: Die Personalquote liegt stabil bei 25–27 %, die Sachkostenquote bei 12–15 %. Die Investitionsquote springt dagegen im Plan 2025 auf 32,5 % (zuvor meist 14–22 %).

Personal- und Sachkostenquote (%)
Personal- und Sachkostenquote (%)
Investitionsquote (%)
Investitionsquote (%)

Fast schuldenfrei – aber die Richtung dreht

Diepholz ist faktisch fast schuldenfrei: Der Schuldenstand bewegte sich 2016–2020 zwischen 1,1 und 1,6 Mio. €, Investitionskredite wurden von 1,2 auf 0,45 Mio. € getilgt, Liquiditätskredite waren durchgehend null. Mit 63–94 €/EW liegt die Pro-Kopf-Verschuldung weit unter dem Median vergleichbarer Kommunen (329–452 €/EW). Auch die Zinslastquote sank von 0,8 % (2016) auf 0,1 % (2020). Erst das Investitionsprogramm ab 2023 dreht die Richtung: Bei voller Ausschöpfung der Kreditermächtigungen schreibt sich der Schuldenstand planmäßig bis auf rund 14,4 Mio. € Ende 2025 fort (≈815 €/EW).

Schuldenstand (Ist 2016–2020, Fortschreibung bis 2025)
Schuldenstand (Ist 2016–2020, Fortschreibung bis 2025)
Schulden je Einwohner
Schulden je Einwohner
Zinslastquote (%)
Zinslastquote (%)

Komfortables Liquiditätspolster

Die starken Ist-Ergebnisse füllten die Kasse: Der Zahlungsmittelbestand stieg von 9,3 Mio. € (Ende 2016) auf 15,9 Mio. € (Ende 2020) – das entspricht einer Reserve von 4,6 auf 7,1 Monats-Auszahlungen, eine ungewöhnlich komfortable Größe. Das Jahresergebnis je Einwohner war im Ist durchgehend positiv (106–269 €/EW Überschuss), während die Pläne −86 bis +10 €/EW ansetzten. Aus diesem Polster werden die heutigen Investitionen mitfinanziert.

Liquidität nach Jahresabschluss (Ist, Mio €)
Liquidität nach Jahresabschluss (Ist, Mio €)
Liquiditätsreserve (Monats-Auszahlungen)
Liquiditätsreserve (Monats-Auszahlungen)
Jahresergebnis je Einwohner
Jahresergebnis je Einwohner

Die Investitionsoffensive 2025

Nach Jahren mit Investitionsauszahlungen zwischen 4 und 10 Mio. € springt der Plan 2025 auf 18,4 Mio. € – erstmals mit substanzieller Kreditaufnahme (8,0 Mio. €). Der Investitionssaldo 2025 sticht mit −16,0 Mio. € heraus, überwiegend über Finanzierungstätigkeit und Liquiditätsreserven gedeckt. Pro Kopf sind 1.041 €/EW Investitionen geplant, davon 826 € Baumaßnahmen (Straßen, Schulen, Kitas).

Geplante Salden 2016–2025 (Mio €)
Geplante Salden 2016–2025 (Mio €)
Investitionen und Kreditaufnahme (Plan)
Investitionen und Kreditaufnahme (Plan)
Investitionen je Einwohner (davon Baumaßnahmen)
Investitionen je Einwohner (davon Baumaßnahmen)

Historisch wurden Investitionen zwar verlässlich, aber verzögert umgesetzt: Die Umsetzungsquote (Ist zu Ansatz) lag bei 63–98 %; in Summe 2016–2020 wurden 23,1 von 29,1 geplanten Mio. € verausgabt (79 %). Projekte verschieben sich, fallen aber selten aus.

Investitions-Umsetzungsquote (%)
Investitions-Umsetzungsquote (%)

Real gerechnet: moderater Zuwachs

Nominal steigen die geplanten Aufwendungen je Einwohner von 1.741 auf 2.451 € (+41 %). Preisbereinigt (VPI, 2020 = 100) beträgt der Zuwachs jedoch nur +10 % – bis 2022 sank der reale Pro-Kopf-Aufwand sogar; erst 2024/25 wächst der Haushalt real spürbar. Der Kostenschub bei den Verwaltungskosten (Personal plus Sachaufwand: Ist von 639 auf 744 €/EW, Plan 2025 bereits 1.003 €/EW) spiegelt vor allem Tarif- und Aufgabenzuwachs. Die Transferaufwendungen je Einwohner steigen auf 1.130 €/EW (Plan 2025) – überwiegend Kreisumlage.

Aufwendungen & Erträge je Einwohner — nominal und preisbereinigt (Preise von 2025)
Aufwendungen & Erträge je Einwohner — nominal und preisbereinigt (Preise von 2025)
Verwaltungskosten je Einwohner
Verwaltungskosten je Einwohner
Transferaufwendungen je Einwohner
Transferaufwendungen je Einwohner

Kennzahlen im Überblick

KennzahlWert
Ordentliche Aufwendungen (Plan 2025)43,3 Mio. €
Geplantes Jahresergebnis 2025−2,9 Mio. €
Jahresergebnisse Ist kumuliert 2016–2020+12,4 Mio. €
Gewerbesteuer-Spitze (Ist 2018)13,7 Mio. €
Schlüsselzuweisungen je EW (Ist 2023)251 €/EW
Hebesätze GrSt A / B / GewSt (seit 2024)410 / 410 / 410 v. H.
Schulden je Einwohner (Ist 2020)64 €/EW (Median ~450 €)
Liquiditätsreserve Ende 20207,1 Monats-Auszahlungen
Zinslastquote (Ist 2020)0,1 %
Investitionsquote (Plan 2025)32,5 %
Kreditermächtigung 20258,0 Mio. €
Schulden-Fortschreibung Ende 2025 (Plan, voll gezogen)≈815 €/EW

Quellen und Methodik

Quelle: Stadt Diepholz, Haushaltspläne 2016–2025 und Jahresabschlüsse 2016–2020 (amtliche PDF-Veröffentlichungen, inkl. Vorberichte, Rechenschaftsberichte und Haushaltssatzungen), abgerufen am 25.06.2026.
Einwohnerzahlen: Bevölkerungsfortschreibung des Statistischen Bundesamts (31.12., ab 2022 auf Basis Zensus 2022).
Preisbereinigung: Verbraucherpreisindex für Deutschland (Destatis, 2020 = 100, Jahresdurchschnitte).
Alle Kennzahlen beziehen sich auf den Kernhaushalt der Stadt. Plan-Summen wurden gegen die Satzungsfestsetzungen geprüft, Ist-Werte über Vorjahresspalten-Ketten und Sachkontennachweise mehrfach bestätigt.

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